Montag, 18. Januar 2010

Rückschau auf ein Leben in Freud und Leid - Meine Urgroßmutter Margarete Hofmann

Beim Durchstöbern einiger Schubladen ist mir heute ein Zeitungsbericht von 1991 in die Hände gefallen. Es ist die "Rückschau auf ein Leben in Freud und Leid".

Es ist der Lebenslauf meiner Urgroßmutter Margarete Hofmann, geb. Pfannes



Als sie 1885 geboren wurde, herrschte noch Kaiser Wilhelm in Deutschland - der Erste, nicht der Zweite - und die Familie von Weizsäcker war noch bürgerlich. Heute, am 19. Februar, wird Margarete Hofmann 106 Jahre alt. Sie ist damit die älteste Mannheimerin.

Geboren wurde sie in Großlangheim bei Kitzingen, auch ihr Mann kam aus dem Fränkischen. Von Kindesbeinen auf hat sie "schaffe müsse", das sei einer der Gründe, warum sie so alt geworden sei, meint sie heute.

Direkt nach der Schule kam sie in Stellung bei einem Bauern. Entlohnt wurde nur einmal im Jahr - auf Martini. Nach ihrer Heirat 1907 kam sie nach Mannheim, wo ihr Mann als Schlosser bei der Firma Lanz arbeitete. Leicht war das Leben damals nicht. Als ihr Mann in den ersten Weltkrieg musste, hatte sie sich allein um ihre damals vier Kinder zu kümmern (später kamen noch vier weitere dazu), und auch den Hunger hat sie kennengelernt.

An die Geldentwertung 1923 kann sie sich noch gut erinnern, sie hatte ein paar Mark in einer Dose gespart, die plötzlich wertlos waren. 26 Mark verdiente ihr Mann Ende der zwanziger Jahre in der Woche, auch damals wenig. Dazu wurde er Anfang der dreißiger Jahre noch arbeitslos. Als Hitler kam hat sie, die Unpolitische, ihn zunächst begrüßt: Ihr Mann fand wieder Arbeit und die Familie konnte sich sogar ein bescheidenes Häuschen in der Gartenstadt leisten. Mit viel Selbsthilfe haben sie es aufgebaut und sind 1935 eingezogen. Ein kleines Grundstück war dabei, hier zog sie Kartoffeln und Gemüse, hielt sie Hühner und Kaninchen und sogar ein Schwein.

Aber die Idylle änderte sich schnell, als ihre Söhne in den Krieg mussten. Zwei sind nicht wieder heimgekehrt, ebenso noch zwei Schwiegersöhne. Einem weiteren gelang unter filmreifen Umständen die Flucht aus sowjetischer Gefangenschaft. Sie weiß auch noch, wie ihr Mann immer Feindsender hörte, was damals streng verboten war. Ganz zum Schluss wurde sie noch ausgebombt, und 1948 starb ihr Mann, der schon vorher etwas krank war. Aufbauen mochte sie nicht mehr, sie ging ja schon auf die 70 zu. Ein wenig fromm war sie schon von Haus aus, so Margarete Hofmann, darum hat sie das Grundstück im Rottannenweg der Katholischen Kirche geschenkt. Die hat darauf eine kleine Marienkapelle und ein noch kleineres Haus errichtet, in dessen hinterem Teil sie bis vor einem Jahr wohnte - erst dann kam sie, weil es doch nicht mehr so recht ging und ihre Tochter sich auch nicht immer um sie kümmern konnte, in ein Altenheim, nur wenig von ihrer Wohnung entfernt.

Gesundheitliche Probleme hat sie, bis auf die normalen Wehwehchen, eigentlich nie gehabt, aber seit ihrem 100. Jahr trägt sie einen Herzschrittmacher, und "seit einer kleinen Augenoperation kann ich sogar auf meine Brille verzichten".

Von ihren Kindern leben noch vier, der 83jährige Sohn und die 67jährige Tochter hatten selbst erst in der vergangenen Woche Geburtstag. Gratulieren werden auch ihre 17 Enkel, ihre 21 Urenkel und die sieben Ururenkel, die jüngste erst drei Monate alt.

Zum Schluss nach dem Geheimnis ihres Alters gefragt, lächelt sie wie ein junges Mädchen und meint schmunzelnd, "Sie können auch 106 werden, sie dürfen nur nicht sterben"
(Hubert J. Griss)

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als sie 105 Jahre alt war. Sie erzählte uns, dass sie Post vom Schulamt bekommen hätte und sie mit ihren Eltern zur Einschulung kommen sollte. Das war zuviel für den Computer, denn er konnte mit dem Geburtsjahr 1885 nichts anfangen.

Meine Uroma verstarb im gesegneten Alter von 108 Jahren. Das war 1993

Kommentare:

Bluhnah hat gesagt…

hoffentlich war die omi bis zuletzt fit?
meine oma ist 95, sie flitzt im aok-chopper durchs altenheim...
die gute ist aber ziemlich gaga, weiss es aber nicht *g*

Karin hat gesagt…

Eine wunderbare Schilderung eines Lebens !
Danke Dir, für`s Schreiben