Samstag, 12. März 2016

Mein Leben mit MCS (Chemikalienunverträglichkeit)

Die Chemikalienunverträglichkeit drängt sich immer mehr in den Vordergrund und es wird fast unerträglich.
Langsam beginnt es auch mit Kochgerüchen, die ich nicht mehr ertragen kann. Wo soll das noch hinführen?

Ich kann nicht mehr alleine aus dem Haus um Besorgungen zu machen. Mein Mann übernimmt sämtliche Erledigungen für mich. Er geht einkaufen, bringt Briefe zur Post, erledigt die Bankangelegenheiten.

Er bereitet Arztbesuche für mich vor, d.h. er informiert das Team über meine Erkrankung und welche Vorkehrungen geschaffen werden müssen, damit ich die Behandlung ohne Zusammenbruch überstehe.

Autofahren kann ich nicht mehr, weil Abgase der anderen Fahrzeuge zum Kreislaufzusammenbruch führen.

Soziale Kontakte bestehen nur noch über Telefon und Internet, wobei sich die Kommunikation wegen mangelnder Konzentration und schneller Müdigkeit sehr stark reduziert hat.

Schon eine kurze Autofahrt als Beifahrer ist so anstrengend als müsste ich die Strecke zu Fuss gehen. Ich bin vom Sitzen schon total erschöpft.

Es macht mir Angst, wenn ich an die Zukunft denke.

Nie mehr mit Familie, Freunden und Bekannten zusammensitzen können.
Nie mehr in die Natur gehen können.
Nie mehr selbständig meine Erledigungen machen können.
Nie mehr selbst Autofahren.
Nie mehr öffentliche Verkehrsmittel benutzen.
Nie mehr Essen gehen.
Nie mehr ins Kino oder Theater gehen können.

Nie mehr shoppen gehen.
Nie mehr Urlaub.
Nie mehr zum Friseur gehen (kann auch wegen Eigengeruch der Kleidung usw. nicht ins Haus kommen).
Nie mehr in einen Biergarten sitzen.
Nie mehr Gäste empfangen können.
Nie mehr Familie, Verwandte, Freunde und Bekannte besuchen können.
Nie mehr in eine Kirche gehen.

Nie mehr Sonnenstrahlen genießen, da sie sich auf meiner Haut wie schmerzhafte Nadelstiche anfühlen.
Nie mehr Radio hören, weil mir die Töne Schwindelanfälle bereiten.
Nie mehr schmerzfrei (ständig Muskel- und Gelenkschmerzen)
Nie mehr ......
                             ...... so richtig am Leben teilhaben können!

Klar bin ich mir bewusst, dass viele Menschen noch viel schlimmere Krankheiten bzw. Behinderungen haben als ich. Dennoch möchte ich auf diese Weise auf MCS aufmerksam machen.
Viele denken, dass da nur die Probleme mit Düften und Gerüchen sind. Welche Auswirkungen und Beeinträchtigungen das mit sich bringt, kann sich ein Außenstehender allerdings nicht vorstellen.

Bisher konnte ich meinen Mann einmal die Woche in den Lebensmittel-Markt  begleiten.
Ausgerüstet mit einer dicken MCS-Maske, Sauerstoffflasche, Notfall-Paket und Baumwoll-Handschuhen war dies für einen kurzen Einkauf möglich.

Damit ist nun leider auch Schluss. Beim letzten Einkauf machten mir die Gerüche und Düfte so sehr zu schaffen, dass ich mich aufgrund der Schmerzen drei Tage lang kaum bewegen konnte.

So lebe ich nun seit 2010 mit der Krankheit MCS. Die Krankheit macht einsam.




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