Donnerstag, 3. September 2015

MCS - mal wieder ein paar Worte zum Thema


Zusätzlich zur MCS (Multiple Chemikalien Sensitivität)) leiden viele Betroffene aufgrund ihres geschädigten Immunsystems unter schweren Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten. Die Zahl der Betroffenen, die weniger als zehn Nahrungsmittel zu sich nehmen können steigt. Viele reagieren sogar auf Wasser. 

Zu dieser Gruppe gehöre ich leider auch.

Es ist sehr schwer, ein trinkbares Wasser zu finden. Denn Hypersensible können vom geringsten Kontakt gegenüber alltäglichen Chemikalien bewusslos werden. 
Mein verträgliches Wasser fand ich bisher noch nicht. Ich reagiere mit Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Schwindel, Hautausschlag und Übelkeit. Es spielt keine Rolle, ob ich das Wasser kalt, lauwarm oder als Tee zubereitet trinke.

Sogar das Wasser aus dem Wasserhahn bereitet Schwierigkeiten, da es ja auch chemisch behandelt ist. Ein Vollbad mit oder ohne duftneutralem Badezusatz - ohne darauf folgenden Hautausschlag und Juckreiz ist unmöglich.

Für uns Chemikaliensensible wird völlig Normales, wie ein Besuch beim Friseur, eine Verabredung im Restaurant, mal kurz zur Post oder Bank gehen, der Einkauf im Lebensmittelgeschäft, ein Spaziergang in der "frischen" Luft, wie auch Lebensnotwendiges, z.B. ein Arztbesuch oder ein Krankenhausaufenthalt, zu einem sehr großen zum Teil unlösbaren Problem. 

Der Besuch in einem Cafe ist nicht mehr möglich wegen des Zigarettenrauches, der in der Kleidung der anderen Gäste hängt und der Parfüms der Mitbesucher, des automatisch ausgelösten Duftsprays auf der Toilette, des After Shaves, Haargel usw. der Bedienung, die schwere Symptome auslösen und dafür sorgen, das der Betroffene nicht mehr funktioniert.


Das Gehirn schaltet auf "off". Es funktioniert nichts mehr. Denken, Sprache, Augen, Ohren, Arme, Beine - alles ist wie tot.
 
Ein Aufenthalt im Krankenhaus ist aufgrund der chemikaliengeschwängerten Luft für Hypersensible nicht durchführbar, ohne ernsthafte bis fatale Konsequenzen in Kauf nehmen zu müssen.

Chemikalien meiden


Wir müssen lernen, die Auslöser zu erkennen und zu vermeiden, denn dies ist unsere einzige Chance ein einigermaßen lebenswertes Dasein zu leben.  Wir müssen lernen, die symptomauslösenden Chemikalien zu meiden und auch auf die unverträglichen Nahrungsmittel zu verzichten - wenn es auch manchmal sehr schwer fällt.

Eine Besserung kann ohne gezielte Vermeidung nicht eintreten und Therapien verlaufen völlig ergebnislos, bzw. können durch zusätzlichen Stress für den Körper ins Gegenteil umschlagen.
 

Bei MCS-Kranken ist eine Verhaltensveränderung deutlich erkennbar. Dazu zählen z.B. Aggression, Hyperaktivität, Depression oder schwere körperliche Reaktionen - hervorgerufen durch Reaktionen des Gehirns.  
Für die Angehörigen und Freunde ist es schwer mit ansehen zu müssen, wenn die von ihnen geliebte Person leiden muss. Schwere Reaktionen wie Bewusstlosigkeit, Krämpfe oder extreme psychische Veränderungen wie Aggressionsschübe oder plötzliche Depressionen erschüttern das Umfeld.  Oft ist der Chemikaliensensible selbst mit seinen Reaktionen und mit dem, was in seinem Körper vorgeht, überfordert. Vor allem, wenn die Reaktionen zeitlich verzögert zu einer Exposition entstehen.

Meiner Familie und Bekannten versuchen wir beizubringen, wie sie eine Reaktion bei mir erkennen, damit sie mir schnell helfen und rechtzeitig lebensnotwendige Medikamente verabreichen können.  


Schon nach einem normalen Atemzug mit Chemikalien bin ich nicht mehr in der Lage, mich zu verständigen und eigene Entscheidungen zu treffen.

So lebe ich
Unsere Wohnung darf nur duftneutral betreten werden. 

Reinigungsmittel für die Wohnung, für die Wäsche und auch für unsere Körperpflege müssen duftneutral sein. 

Fenster dürfen nur geöffnet werden, wenn draußen keine Kamin- oder Autoabgase vernommen werden. 

Unser ehemaliges Kinderzimmer wurde zu meiner duftfreien und heizungsluftfreien Zone erklärt. Dort kann ich mich zurückziehen, falls es zu einem unvorhersehbaren Zwischenfall mit Duftstoffen kommt.

Auf helle Leuchtstoff-Röhren wird verzichtet. Indirekte Beleuchtung ist wesentlich besser verträglich. 

Bei starkem Sonnenschein lassen wir die Rolläden runter. 

Den Haushalt kann ich inzwischen gut alleine erledigen - vorausgesetzt es ist alles frei von Duftstoffen.

Gegen die Schmerzen stehen Medikamente bereit.

Meine Notfall-Box, meine Gesichtsmaske und die Sauerstoffflasche stehen immer in greifbarer Nähe.

Blumen und Topfpflanzen sind in der Wohnung tabu. Allerdings vertrage ich eine Sorte Orchideen. Davon habe ich drei Exemplare am Wohnzimmerfenster stehen. 

Rund um die Uhr halte ich mich in der duftneutralen Wohnung auf. 

Selbständige Einkäufe sind nur über das Internet möglich.

Kleidung kann ich momentan auch nicht über das Internet kaufen, da alle Stoffe nach Chemie riechen und Bio-Kleidung einfach zu teuer ist, wenn "frau" EU-Rente bekommt.

So zu leben ist nicht einfach und muss erst einmal erlernt und akzeptiert werden. Es ist ein ständiger Quarantäne-Zustand.

Grundvoraussetzung ist eine sehr verständnisvolle Familie. Und die habe ich zum Glück.

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